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Glykämischer Index – Lebensmittel

Der glykämische Index (GI) beschreibt, wie stark ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr ansteigen lässt. Als Vergleichswert dient in der Regel Glucose mit einem GI von 100. Lebensmittel mit niedrigem GI werden meist langsamer verdaut und aufgenommen; der Blutzucker steigt dadurch häufig weniger stark und gleichmäßiger an. Dadurch kann auch die Insulinantwort – also die Ausschüttung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin – geringer ausfallen. Dies ist besonders bei Insulinresistenz, Prädiabetes oder Diabetes mellitus Typ 2 von Bedeutung.

Für die praktische Ernährung ist der GI jedoch kein alleiniger Bewertungsmaßstab, sondern ein Orientierungswert. Er zeigt vor allem, wie schnell Kohlenhydrate aus einem Lebensmittel verfügbar werden. Für die tatsächliche Blutzuckerwirkung sind zusätzlich die Portionsgröße, der Kohlenhydratgehalt und die Zusammensetzung der gesamten Mahlzeit wichtig. Diese Aspekte werden in der glykämischen Last (GL) berücksichtigt: Sie verbindet den GI mit der Menge an verwertbaren Kohlenhydraten in einer üblichen Portion. Damit beschreibt die GL praxisnäher, wie stark eine normale Verzehrmenge den Blutzucker tatsächlich belasten kann.

Auch die Werte einzelner Lebensmittel können variieren. Einfluss haben unter anderem Sorte, Reifegrad, Verarbeitung, Mahlgrad, Garzeit, Abkühlen nach dem Kochen, Ballaststoffgehalt sowie die Kombination mit Proteinen (Eiweiß), Fett oder Säuren. Deshalb sollten die folgenden Tabellenwerte nicht als starre Bewertung verstanden werden, sondern als praxisnahe Orientierung.

In der folgenden Tabelle sind unterschiedliche Lebensmittel mit dem jeweiligen glykämischen Index (GI) dargestellt. Dabei sind die Lebensmittel entweder einem niedrigen (≤ 55), mittleren (56-69) oder hohen (≥ 70) glykämischen Index zugeordnet.

Brot und Backwaren
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI (≥ 70)
Dinkelbrot (abhängig vom Ausmahlungsgrad; helles Dinkelbrot kann auch mittel bis hoch liegen) Butterkekse Bagels
Gerstenvollkornbrot Croissants Brezeln
Haferkleiebrot Fladenbrot Brötchen
Knäckebrot Graubrot  
Mehrkornvollkornbrot Muffins (mittel bis hoch; stark rezeptabhängig) Französisches Baguette
Pumpernickel Obsttorte Pizzabrot
Roggenvollkornbrot Vollkornbrot, fein geschrotet Reiskräcker
Vollkornbrot, grob geschrotet Waffeln (mittel bis hoch; je nach Rezept/Zuckeranteil) Weißbrot
  Weizenvollkorntoast  
Gemüse
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI (≥ 70)
Alfasprossen Kürbis Folienkartoffel
Auberginen Mais Kartoffelbrei
Blattsalate Möhren, gekocht Kartoffeln, mehligkochende
Brokkoli Neue Kartoffeln  
Chicorée Rote Bete  
Frische grüne Erbsen Süßkartoffeln  
Grüne Bohnen    
Gurken    
Knoblauch    
Kohlgemüse aller Art    
Lauch    
Mangold    
Meerrettich    
Möhren, roh    
Paprika    
Pilze    
Radieschen    
Rettich    
Salat    
Sauerkraut    
Sellerie    
Sojasprossen    
Spargel    
Spinat    
Tomaten    
Zucchini    
Zwiebeln    
Getränke
Ohne glykämischen Index Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI ≥ 70)
Kaffee, ohne Zucker Apfelsaft Fruchtnektare Bier
Mineralwasser Apfelsaftschorle Fruchtsaftgetränke Cola-Getränke
Tee Buttermilch isotonische Sportgetränke Eisteegetränke
  Gemüsesäfte   Energydrinks
  Grapefruitsaft   Kakaogetränke, gezuckert
  Orangensaft   Limonaden
  Tomatensaft   Malzbier
  Vollmilch     
Getreideprodukte
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI (≥ 70)
Buchweizen Basmatireis Cornflakes
Frischkornbrei Couscous Fertigmüsli mit Zuckerzusatz
Gerstengraupen Grieß Gnocchi
Getreidekörner, ganz oder grob Hirse Kartoffelpüreepulver
Haferbrei Haferflocken, grobe/klassische Kräcker
Kleieflocken Langkornreis (mittel bis hoch, sortenabhängig) Maisstärke, gekocht
Nudeln aus Hartweizen   Popcorn, ohne Zucker
Vollkornhaferflocken   Schnellkochreis
Vollkornmüsli ohne Zuckerzusatz (niedrig bis mittel; abhängig von Flockenstruktur und Trockenfrüchten)   Weißer Reis, gekocht
Vollkornspaghetti    
Weizenkeime    
Wilder Reis (eher niedrig bis mittel; abhängig von Sorte/Zubereitung)    
Hülsenfrüchte
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI (≥ 70)
Hülsenfrüchte allgemein    
Hummus (Kichererbsenmus)    
Kichererbsen    
Kidneybohnen    
Linsen    
Sojabohnen    
Trockenerbsen    
Weiße Bohnen    
Milch und Milchprodukte
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI (≥ 70)
Dickmilch Eiscreme  
Joghurt Joghurt (mit Fruchtzubereitung)  
Käse Milchprodukte (mit Zucker)  
Kefir Sojajoghurt (gezuckert)  
Milch    
Probiotische Milchgetränke (ungezuckert)    
Probiotische Joghurts (ungezuckert)    
Quark    
Trinkschokolade (ungezuckert)    
Nüsse und Samen
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI ((≥ 70)
Erdnüsse    
Kürbiskerne    
Leinsamen    
Mandeln    
Sonnenblumenkerne    
Walnüsse    
Obst
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI (≥ 70)
Äpfel Ananas Datteln, getrocknet
Aprikosen Aprikosen, in Dosen Wassermelonen (GI hoch, aber niedrige GL wegen hohem Wassergehalt) 
Avocados Bananen (abhängig vom Reifegrad: unreif eher niedriger, sehr reif eher höher)  
Beeren Datteln, frisch  
Birnen Feigen, getrocknet  
Feigen, frisch Mangos  
Grapefruits Melonen  
Kirschen Papayas  
Kiwis Rosinen  
Orangen    
Pfirsiche    
Pflaumen    
Trauben (niedrig bis mittel; abhängig vom Reifegrad)    
Zitronen    
Zucker und Süßwaren
Niedriger GI (≤ 55) Mittlerer GI (56-69) Hoher GI (≥ 70)
Agavensirup Eiscreme Glucose (Traubenzucker)
Bitterschokolade (> 70 % Kakaoanteil) Haushaltszucker Gummibärchen
Fructose (Fruchtzucker) Honig (sortenabhängig) Maisstärke
Lactose (Milchzucker) Konfitüre, Marmelade Maltodextrin
  Müsliriegel Maltose (Malzzucker)
  Schokolade (Vollmilch)  

Grenzen des glykämischen Index

Die Tabelle bietet eine hilfreiche Orientierung, sollte aber nicht als starre Bewertung einzelner Lebensmittel verstanden werden. Der glykämische Index (GI) beschreibt nur einen Teil der ernährungsphysiologischen Wirkung eines Lebensmittels. Er sagt nicht automatisch aus, ob ein Lebensmittel insgesamt „gesund“ oder „ungesund“ ist.

Ein niedriger GI kann beispielsweise dadurch entstehen, dass ein Lebensmittel viel Fett enthält oder einen hohen Anteil an Fructose (Fruchtzucker) aufweist. Deshalb können Lebensmittel wie Schokolade, Eiscreme oder fructosereiche Süßungsmittel einen niedrigeren oder mittleren GI haben, obwohl sie gleichzeitig viel Energie, Zucker oder Fett liefern. Ein niedriger GI darf daher nicht automatisch mit einer günstigen Nährstoffqualität gleichgesetzt werden.

Umgekehrt können Lebensmittel mit höherem GI in der Gesamtbewertung weniger problematisch sein, wenn sie nur geringe Mengen verwertbarer Kohlenhydrate pro Portion liefern oder Teil einer ausgewogenen Mahlzeit sind. Entscheidend ist also nicht allein der GI-Wert, sondern die Kombination aus Portionsgröße, Kohlenhydratmenge, Ballaststoffgehalt, Verarbeitungsgrad und Nährstoffdichte.

Auch die individuelle Blutzuckerreaktion kann variieren. Stoffwechselgesundheit, Insulinsensitivität, Bewegung, Mahlzeitenzusammensetzung und Tageszeit können beeinflussen, wie stark der Blutzucker nach einer Mahlzeit tatsächlich ansteigt. Die Werte in der Tabelle sind daher als Durchschnitts- und Orientierungswerte zu verstehen.

Typische Fehlinterpretationen vermeiden

Ein häufiger Fehler besteht darin, Lebensmittel nur nach ihrem GI-Wert zu beurteilen. So können Trockenfrüchte zwar je nach Sorte einen niedrigen bis mittleren GI haben, liefern aber durch den Wasserentzug viele Kohlenhydrate in konzentrierter Form. Auch Säfte können formal einen niedrigeren oder mittleren GI aufweisen, führen aber durch die flüssige Form und die fehlende Kauarbeit häufig zu einer schnellen Zuckeraufnahme. Ganze Früchte sind deshalb meist günstiger als Fruchtsäfte.

Auch bei Süßungsmitteln ist Vorsicht geboten. Fructose und Agavensirup haben zwar einen niedrigen GI, sind aber nicht automatisch empfehlenswerte Alternativen zu Haushaltszucker. Sie liefern weiterhin Zucker und Energie und sollten nur sparsam verwendet werden.

Bei Nüssen, Samen, Käse oder Avocado ist der GI nur eingeschränkt aussagekräftig, weil diese Lebensmittel sehr wenige verwertbare Kohlenhydrate enthalten. Ihre Einordnung in einer GI-Tabelle bedeutet daher nicht, dass sie in beliebiger Menge verzehrt werden sollten. Sie können ernährungsphysiologisch wertvoll sein, sind aber teilweise energiereich.

Praktische Anwendung im Alltag

Für die Ernährungspraxis ist der GI vor allem dann hilfreich, wenn ähnliche Lebensmittel miteinander verglichen werden. Besonders sinnvoll ist der Vergleich innerhalb einer Lebensmittelgruppe: zum Beispiel grobes Vollkornbrot statt Weißbrot, klassische Haferflocken statt Instant-Haferflocken, al dente gegarte Nudeln statt weich gekochter Pasta oder Pellkartoffeln statt Kartoffelpüree.

Bei stärkehaltigen Lebensmitteln lohnt sich besonders der Blick auf die Verarbeitung. Je stärker ein Lebensmittel gemahlen, gepufft, instantisiert oder weich gekocht wurde, desto schneller kann die enthaltene Stärke verfügbar werden. Grob strukturierte, ballaststoffreiche und wenig verarbeitete Varianten sind daher meist günstiger für die Blutzuckerantwort.

Auch die Zusammenstellung der Mahlzeit spielt eine Rolle. Kohlenhydratreiche Lebensmittel wirken oft günstiger, wenn sie mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Eiweißquellen, Nüssen, Samen oder hochwertigen Fetten kombiniert werden. Eine Mahlzeit aus Vollkorngetreide oder Hülsenfrüchten mit Gemüse, Joghurt, Nüssen, Samen oder einem Essig- bzw. Zitronendressing kann den Blutzuckeranstieg abmildern.

Bedeutung für Prävention und Stoffwechselgesundheit

Eine Ernährung mit niedrigerem GI bzw. niedrigerer glykämischer Last kann die Blutzuckerregulation unterstützen. In Studien wird ein Ernährungsmuster mit höherem GI bzw. höherer glykämischer Last mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. In der internationalen PURE-Kohorte mit 127.594 Personen aus 20 Ländern waren höhere GI- und GL-Werte mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert. Auch Metaanalysen zeigen entsprechende Zusammenhänge zwischen GI/GL und Diabetesrisiko.

Diese Daten bedeuten jedoch nicht, dass einzelne Lebensmittel streng verboten werden müssen. Entscheidend ist vielmehr das langfristige Ernährungsmuster: günstig sind vor allem ballaststoffreiche, wenig verarbeitete Lebensmittel; ungünstig sind häufig stark verarbeitete Stärkeprodukte, Süßwaren und zuckergesüßte Getränke.

Fazit

Der glykämische Index ist ein nützliches Instrument, um die Kohlenhydratqualität besser einzuordnen. Er sollte jedoch immer zusammen mit der glykämischen Last, der Portionsgröße, dem Verarbeitungsgrad und der Nährstoffqualität betrachtet werden.

Für den Alltag bedeutet das: Nicht einzelne GI-Werte entscheiden über die Qualität der Ernährung, sondern die wiederkehrende Auswahl geeigneter Lebensmittel. Besonders empfehlenswert sind wenig verarbeitete, ballaststoffreiche Kohlenhydratquellen wie Hülsenfrüchte, grobe Vollkornprodukte, Hafer, Gemüse und ganze Früchte. Stark verarbeitete Stärkeprodukte, Süßwaren und zuckergesüßte Getränke sollten dagegen eher selten verzehrt werden.

So kann der GI als praktischer Orientierungswert helfen, blutzuckerbewusste Entscheidungen zu treffen – ohne Lebensmittel pauschal in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen.

Literatur

  1. Atkinson FS, Brand-Miller JC, Foster-Powell K, Buyken AE, Goletzke J: International tables of glycemic index and glycemic load values 2021: a systematic review. Am J Clin Nutr. 2021 Nov 8;114(5):1625-1632. doi: 10.1093/ajcn/nqab233.
  2. Miller V et al.: Associations of the glycaemic index and the glycaemic load with risk of type 2 diabetes in 127 594 people from 20 countries (PURE): a prospective cohort study. Lancet Diabetes Endocrinol. 2024 May;12(5):330-338. doi: 10.1016/S2213-8587(24)00069-X.
  3. Livesey G, Taylor R, Livesey HF, Buyken AE, Jenkins DJA, Augustin LSA, Sievenpiper JL et al.: Dietary Glycemic Index and Load and the Risk of Type 2 Diabetes: Assessment of Causal Relations. Nutrients. 2019 Jun 25;11(6):1436. doi: 10.3390/nu11061436.
  4. Diabetes UK: Glycaemic index and diabetes.
  5. Linus Pauling Institute, Oregon State University: Glycemic Index and Glycemic Load.
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