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Ginkgo – Sicherheitsbewertung

Wie sicher ein Ginkgo-Präparat ist, hängt wesentlich von der verwendeten Zubereitung ab. Besonders umfangreiche wissenschaftliche Daten liegen für genau definierte und standardisierte Ginkgo-Trockenextrakte vor, die als Arzneimittel eingesetzt werden. Andere Zubereitungen wie Ginkgo-Tee, Blattpulver, Samen oder Nahrungsergänzungsmittel können sich hinsichtlich Extraktart, Zusammensetzung und Dosierung unterscheiden und sollten daher jeweils produktspezifisch beurteilt werden [1, 2].

Qualität des Präparats

Standardisierte Ginkgo-Arzneimittel enthalten festgelegte Mengen bestimmter Pflanzenstoffe, insbesondere Flavonglykoside und Terpenlactone. Gleichzeitig werden unerwünschte Ginkgolsäuren bei der Herstellung weitgehend entfernt. Bei dem in Arzneimitteln verwendeten raffinierten und quantifizierten Trockenextrakt ist ihr Gehalt auf höchstens 5 ppm begrenzt [1, 2].

Auch Nahrungsergänzungsmittel können qualitativ hochwertige und standardisierte Ginkgo-Extrakte enthalten. Da sich Extraktart, Zusammensetzung und Dosierung je nach Produkt unterscheiden können, sind transparente Angaben zu den verwendeten Rohstoffen und Inhaltsstoffen besonders wichtig.

Dosierung standardisierter Arzneimittel

Die Europäische Arzneimittel-Agentur nennt für einen bestimmten standardisierten Ginkgo-Trockenextrakt eine Tagesdosis von 240 mg [1]. Klinische Studien mit definierten Arzneimittelextrakten verwendeten häufig 120-240 mg täglich [3].

Diese Angaben beziehen sich auf die jeweils untersuchten Arzneimittelextrakte. Für Nahrungsergänzungsmittel gelten die Dosierungsempfehlungen des jeweiligen Produkts, da unterschiedliche Extrakte und Zusammensetzungen verwendet werden können. Die für Arzneimittel genannten Mengen stellen daher keinen allgemeinen Sicherheits- oder Höchstwert für Nahrungsergänzungsmittel dar.

Blutungsrisiko und Wechselwirkungen

Kontrollierte Studien zeigen bei alleiniger Einnahme standardisierter Extrakte kein eindeutig erhöhtes Blutungsrisiko [4]. Es liegen jedoch einzelne Berichte über Blutungen vor [5].

Besondere Vorsicht ist deshalb bei einer Blutungsneigung und bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente geboten. Dazu gehören beispielsweise Phenprocoumon, Warfarin, Apixaban, Rivaroxaban, Acetylsalicylsäure und Clopidogrel. Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen können das Blutungsrisiko erhöhen [1].

Vor Operationen

Vor Operationen oder zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen sollte die Einnahme Ginkgo-haltiger Präparate frühzeitig mit dem behandelnden Arzt oder Zahnarzt besprochen werden.

Für standardisierte Ginkgo-Arzneimittel wird vorsorglich eine Einnahmepause von 3-4 Tagen empfohlen (übliche Tagesdosis: 240 mg eines definierten Ginkgo-Trockenextrakts) [1]. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es aufgrund unterschiedlicher Zusammensetzungen und Dosierungen keine einheitliche Absetzfrist.

Gerinnungshemmende Arzneimittel dürfen niemals eigenständig abgesetzt werden.

Schwangerschaft, Stillzeit und Epilepsie

Standardisierte Ginkgo-Arzneimittel dürfen während der Schwangerschaft aufgrund des möglichen Blutungsrisikos nicht angewendet werden. In der Stillzeit wird die Anwendung wegen fehlender Sicherheitsdaten nicht empfohlen [1]. 

Ginkgo-Samen enthalten Ginkgotoxin. Dieser Stoff kann den Vitamin-B6-Stoffwechsel beeinträchtigen und möglicherweise die Krampfschwelle senken [6]. Auch im Zusammenhang mit Ginkgo-Extrakten wurden einzelne epileptische Anfälle beschrieben [7]. Menschen mit Epilepsie oder erhöhter Krampfbereitschaft sollten Ginkgo-haltige Präparate daher nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.

Literatur

  1. European Medicines Agency. European Union herbal monograph on Ginkgo biloba L., folium. EMA/HMPC/321097/2012. 2015.
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung. Die Sicherheit von Ginkgoblätter-haltigen Tees kann wegen mangelnder Daten nicht beurteilt werden. Gesundheitliche Bewertung Nr. 021/2010 vom 9. Dezember 2009.
  3. Gauthier S, Schlaefke S. Efficacy and tolerability of Ginkgo biloba extract EGb 761® in dementia: a systematic review and meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Clin Interv Aging. 2014 Nov 28;9:2065-77. doi: 10.2147/CIA.S72728.
  4. Kellermann AJ, Kloft C. Is there a risk of bleeding associated with standardized Ginkgo biloba extract therapy? A systematic review and meta-analysis. Pharmacotherapy. 2011 May;31(5):490-502. doi: 10.1592/phco.31.5.490. 
  5. Bent S, Goldberg H, Padula A, Avins AL. Spontaneous bleeding associated with ginkgo biloba: a case report and systematic review of the literature: a case report and systematic review of the literature. J Gen Intern Med. 2005 Jul;20(7):657-61. doi: 10.1111/j.1525-1497.2005.0121.x.
  6. Leistner E, Drewke C. Ginkgo biloba and ginkgotoxin. J Nat Prod. 2010 Jan;73(1):86-92. doi: 10.1021/np9005019.
  7. Granger AS. Ginkgo biloba precipitating epileptic seizures. Age Ageing. 2001 Nov;30(6):523-5. doi: 10.1093/ageing/30.6.523.
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