Mangan

Sicherheitsbewertung

Das Expertengremium für Vitamine und Mineralstoffe des Vereinigten Königreiches (Expert Group on Vitamins and Minerals, EVM) hat letztmalig im Jahr 2003 Vitamine und Mineralstoffe hinsichtlich ihrer Sicherheit bewertet und für jeden Mikronährstoff, sofern ausreichend Daten vorlagen, einen sogenannten Safe Upper Level (SUL) oder Guidance Level (Richtwert) festgesetzt. Dieser SUL bzw. Guidance Level gibt die sichere Höchstmenge eines Mikronährstoffs wieder, die bei täglicher, lebenslanger Zufuhr aus allen Quellen keinerlei Nebenwirkungen hervorruft.

Die sichere tägliche Höchstmenge für Mangan liegt bei 12,2 mg [1].
Die sichere tägliche Höchstmenge für Mangan entspricht dem 6-fachen der empfohlenen Tagesdosis der EU (Nutrient Reference Value, NRV).

Die oben angegebene sichere tägliche Höchstmenge setzt  sich zusammen aus einer anzunehmenden Aufnahme von 8,2 mg aus der konventionellen Ernährung und einer als sicher geltenden zusätzlichen Aufnahme von 4 mg Mangan aus Nahrungsergänzungen. Sie gilt nicht für ältere Menschen ab 50 Jahren. Aufgrund der größeren Anfälligkeit für neurologische Störungen wird für ältere Menschen ab 50 Jahren eine tägliche Manganzufuhr von nur 8,7 mg als sicher angesehen [1].

Eine Mangankonzentration von 0,75 mg pro Liter Trinkwasser führte bei dauerhafter Aufnahme von 2 Litern am Tag zusätzlich zur herkömmlichen Ernährung zu keinen negativen Effekten [2]. Auch Mengen von 0,6 bis 4,3 mg Mangan aus Trinkwasser pro Tag zusätzlich zur herkömmlichen Ernährung, aufgenommen über 10 bis 40 Jahre, blieben ohne negative Effekte [1].

Der NOAEL (No Observed Adverse Effect Level) – die höchste Dosis eines Stoffes, die auch bei andauernder Aufnahme keine erkennbaren und messbaren negativen Auswirkungen hat – wurde von der EVM auf 4 mg Mangan täglich aus Nahrungsergänzungen, zusätzlich zur konventionellen Ernährung, festgesetzt [1].

Unerwünschte Effekte einer überhöhten Manganzufuhr sind vor allem Nervenstörungen, hervorgerufen durch die Exposition gegenüber manganhaltigen Stäuben am Arbeitsplatz und durch die Aufnahme von kontaminiertem Trinkwasser.

Die berufliche Exposition gegenüber manganhaltigen Arbeitsstäuben führte nach dauerhafter Inhalation zu Myalgien (Muskelschmerzen), allgemeiner Schwäche, verlangsamter Bewegung, Appetitlosigkeit und Sprachstörungen bis hin zum "Manganismus", einer Nervenkrankheit ähnlich der Parkinson-Krankheit [1, 3]. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) nimmt an, dass die Schwellendosis für neurologische Effekte zwischen 0,1 mg Mangan/m³ Luft und 1 mg Mangan/m³ Luft liegt [2, 3]. Der Aufnahmeweg der Inhalation ist allerdings für die Sicherheitsbewertung von Mangan aus Lebensmitteln zweitrangig.

Durch den dauerhaften Konsum von manganhaltigem Trinkwasser kam es ebenfalls zu neurologischen Störungen wie  Myalgien (Muskelschmerzen), allgemeiner Schwäche, Tremor (Zittern), Gedächtnisstörungen und eingeschränkten Reflexen. In Japan führte verunreinigtes Trinkwasser mit 14 mg Mangan pro Liter zu schweren Vergiftungserscheinungen wie Zittern und geistigen Störungen und in zwei Fällen bis zum Tod [2]. Eine weitere Studie beobachtete nach Aufnahme von mindestens 28 mg Mangan aus Trinkwasser zusätzlich zur herkömmlichen Ernährung ebenfalls neurologische Störungen [2].

In einer Studie an älteren Menschen ab 50 Jahren kam es bereits bei Mengen von 3,6 bis 4,6 mg Mangan aus Trinkwasser pro Tag zusätzlich zur herkömmlichen Ernährung zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Depression, Müdigkeit, Halluzinationen bis hin zu Tremor (Zittern) und eingeschränkten Reflexen [1]. Dabei wurde die Manganaufnahme aus der Nahrung allerdings nicht bestimmt, wodurch die Gesamtaufnahme von Mangan nicht bekannt ist. Für ältere Menschen ab 50 Jahren wurde daher die oben genannte sichere tägliche Höchstmenge von 8,7 mg Mangan aus allen Quellen festgelegt.

Literatur

  1. Expert Group on Vitamins and Minerals; Safe upper levels for vitamins and minerals, UK, Food Standards Agency Publications 2003
  2. Scientific Committee on Food (SCF) and Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) of EFSA, Tolerable Upper Intake Levels for Vitamins and Minerals, European Food Safety Authority 2006, ISBN: 92-9199-014-0
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Domke A., Großklaus R., Niemann B., Przyrembel H., Richter K., Schmidt E., Weißenborn A., Wörner B., Ziegenhagen R. (Hrsg.), Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln – Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte Teil 2.; BfR-Hausdruckerei Dahlem, 2004
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