Daidzein

Sicherheitsbewertung

Isoflavone aus Sojabohnen scheinen beim Menschen keine Nebenwirkungen zu zeigen. Soja-Isoflavone waren und sind seit Jahren Teil der menschlichen Ernährung ohne Anzeichen auf negative Effekte. Die langfristige Sicherheit von sehr hohen Dosen von Isoflavonen aus Nahrungsergänzungen, vor allem von isolierten Isoflavonen, ist hingegen noch unbekannt, da geeignete Langzeitstudien fehlen.

Gemischte Isoflavone, die an Kohlenhydraten gebunden in ihrer natürlichen Verteilung vorliegen, gelten bei einer langfristigen Aufnahme von 50 mg pro Tag als sicher [1].

In einigen asiatischen Bevölkerungsgruppen werden über die herkömmliche Ernährung tägliche Mengen von 65 mg Isoflavonen ohne Nebenwirkungen aufgenommen [2]. In einer Studie an älteren Männern und Frauen wurden 100 mg pro Tag, eingenommen über 6 Monate, sehr gut vertragen [3].

Tierexperimentelle Studien sind in ihrer Aussage widersprüchlich, einige Studien zeigen jedoch, dass bei einem bestehenden Mammakarzinom (Tumor des Brustdrüsengewebes) das Wachstum der Tumorzellen durch Isoflavone beschleunigt werden kann. In Tierstudien an Mäusen führte die Gabe von isoliertem Genistein bei bestehendem Mammakarzinom (Brustkrebs) zu einer verstärkten Ausbreitung des Tumorgewebes [4]. Andere Studien stellen kein Risiko fest. Einige Studien an ehemaligen Brustkrebspatientinnen zeigten nach Isoflavongabe sogar ein vermindertes Risiko für das Wiederauftreten von Tumoren [5].

Eine abschließende Beurteilung der Wirkung von Isoflavonen auf die weibliche Brust, insbesondere im Hinblick auf ein bestehendes Mammakarzinom, ist aufgrund der schwierigen Übertragbarkeit von Daten aus Tierstudien auf den Menschen nicht möglich. Solange diese Diskussion kein einhelliges Urteil erfahren hat, sollten betroffene Frauen, welche Östrogen-Rezeptor-positiv sind und an einem Mammakarzinom leiden, Isoflavone in konzentrierter Form nur in Absprache mit ihrem Arzt verzehren.

Generell können isolierte sekundäre Pflanzenstoffe in hohen Dosen auch negative Wirkungen haben. Wie oben beschrieben, führte im Tierexperiment die Gabe einzelner Phytoöstrogene (z. B. isoliertes Genistein) zu einer Förderung des Tumorwachstums, wohingegen die Kombination verschiedener Phytoöstrogene (Isoflavone und Lignane) in vergleichbarer Menge das Tumorwachstum verminderte [6].

Des Weiteren weisen in-vitro- und Tierstudien auf einen Zusammenhang zwischen einer hohen Isoflavonaufnahme und einem erhöhten Risiko zur Kropfbildung in der Schilddrüse bei gleichzeitigem Jodmangel hin. Isoflavone treten bei schlechter Jodversorgung mit Jod in Konkurrenz und hemmen einen Enzymschritt, der für die Synthese von Schilddrüsenhormonen notwendig ist [4]. In Tierstudien konnte nach Gabe von Genistein-angereichertem Futter eine dosisabhängige Hemmung der Enzymaktivität (Thyroid-Peroxidase) nachgewiesen werden. Dabei reduzierten 40 mg Genistein pro kg Körpergewicht und Tag die Enzymaktivität um 80 %. Dies entspricht umgerechnet 2,8 g (2.800 mg) Genistein pro Tag bei einem 70 kg schweren Menschen. Aber auch Mengen an Isoflavonen, wie sie traditionell in der asiatischen Ernährung aufgenommen werden (ca. 28 mg pro Tag bei 70 kg Körpergewicht) führten zu einem messbaren Aktivitätsverlust [7].

In einer Studie an 14 prämenopausalen Frauen führte die Einnahme von 128 mg Isoflavonen, über einen Zeitraum von 3 Monaten, zu einer Verringerung der T3-Schilddrüsenhormonspiegel im Blut [8]. Eine weitere Studie an ausreichend mit Jod versorgten, postmenopausalen Frauen konnte nach Gabe von 90 mg Isoflavonen pro Tag, über einen Zeitraum von 6 Monaten, keinen Effekt auf die Schilddrüsenhormone und auf die Schilddrüse selbst feststellen [9]. Bei ausreichender Jodversorgung ist ein negativer Effekt auf die Schilddrüse durch die Aufnahme von Isoflavonen unwahrscheinlich.

Eine Verminderung der Enzymaktivität führte in keiner Studie zu messbaren Veränderungen der Schilddrüse (Gewebeveränderungen) selbst. Die beobachteten Veränderungen im Hormonspiegel und der Enzymaktivität gingen nach Jodgabe wieder zurück.

Literatur

  1. Hahn, A.; Ernährung; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2006
  2. Chen Z, Zheng W, Custer LJ, et al. Usual dietary consumption of soy foods and its correlation with the excretion rate of isoflavonoids in overnight urine samples among Chinese women in Shanghai. Nutr Cancer. 1999;33(1):82-87.
  3. Gleason CE, Carlsson CM, Barnet JH, et al. A preliminary study of the safety, feasibility and cognitive efficacy of soy isoflavone supplements in older men and women. Age Ageing. 2009;38(1):86-93.
  4. DFG – Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln;
    Isoflavone als Phytoestrogene in Nahrungsergänzungsmitteln und diätetischen Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke; Endfassung vom 10. November 2006
  5. Shu XO, Zheng Y, Cai H, et al. Soy food intake and breast cancer survival. JAMA. 2009;302(22):2437-2443.
  6. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (Hrsg.); Ernährungsbericht 2008; Bonn 2008, ISBN 978-3-88749-214-4
  7. Daniel R Doerge und Daniel M Sheehan, “Goitrogenic and estrogenic activity of soy isoflavones,“ Environmental Health Perspectives 110 Suppl 3 (Juni 2002): 349-353.
  8. A M Duncan u. a., “Soy isoflavones exert modest hormonal effects in premenopausal women,“ The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 84, no. 1 (Januar 1999): 192-197.
  9. Bonnie Bruce, Mark Messina, und Gene A Spiller, “Isoflavone supplements do not affect thyroid function in iodine-replete postmenopausal women,“ Journal of Medicinal Food 6, no. 4 (2003): 309-316.
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