Silymarin (Mariendistel-Fruchtextrakt)

Definition

Silymarin ist ein Frucht-Extrakt und stammt aus der Mariendistel (Silybum marianum). Diese Heilpflanze gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae), Unterfamilie der Carduoideae.
Das ein- bis zweijähriges Kraut ist mit einer Stammhöhe von 20 cm bis 150 cm gut an seinen weiß-grün marmorierten Blättern sowie an der purpurfarbenen Blüte erkennbar [1, 2].

Die Mariendistel wächst bevorzugt auf trockenem, steinigem Boden und kommt in Nordafrika, Kleinasien, Südrussland und im Mittelmeerraum vor [2]. Kultiviert und angebaut wird diese Pflanze in Österreich, Ungarn, Deutschland, Argentinien, Venezuela und China.

Die schwarzbraunen Früchte der Mariendistel bestehen zu 20 % bis 30 % aus fettreichem Öl mit einem hohen Linolsäuregehalt, 25 % bis 30 % Eiweiß, 1,5 % bis 3 % Silymarin sowie Phytosterole und Schleimstoffe. Der hieraus gewonnenen Stoffkomplex Silymarin besteht aus den Flavanolignanen Silybin (bzw. Silibinin), Silicristin, Silidianin, Isosilibin und dem Flavanonol Taxifolin [1-3]. Mit 40 % bis 70 % macht Silybin den größten Anteil aus und hat die höchste biologische Aktivität [3, 4].

Traditionell wurde Silymarin als Tee oder Trockenextrakt bei Erkrankungen der Leber, Gallenblase und Milz angewendet [5, 6]. Mittlerweile zählt es zu den am besten untersuchten Pflanzenstoffen.

Metabolismus

Nach oraler Aufnahme wird Silymarin zu 20 % bis 50 % aufgenommen [5]. Die Flavanolignane werden in der Leber mit Sulfat und Glucuronsäure konjugiert und gelangen dann ins Plasma sowie in die Galle. Nach 4 bis 6 Stunden wird mit 1,3 µg/ml bis 1,7 µg/ml die maximale Plasma-Konzentration erreicht [6, 7]. Zu 80 % wird Silymarin mit der Galleflüssigkeit ausgeschieden und ungefähr 10 % gelangen in den enterohepatischen Kreislauf [5].

Bioverfügbarkeit

Die Bioverfügbarkeit von Silymarin ist gering und von der Konzentration sowie vom Vorhandensein anderer Inhaltsstoffe (wie Flavonoide, Phenolderivate, Proteine, Tocopherole usw.) abhängig [5]. Durch den Zusatz von Phosphatidylcholin oder ß-Cyclodextrin ist Silymarin besser bioverfügbar.

Literatur

  1. Bühring U: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Grundlagen – Anwendung – Therapie. Haug Fachbuch. 4. Auflage, 2014, S. 266-8
  2. World Health Organization (WHO): WHO Monographs on Selected Medicinal Plants – Volume 2 – Fructus Silybi Mariae. 2004.
  3. Hawke RL, Schrieber SJ, Soule TA, Wen Z, Smith PC, Reddy KR, Wahed AS, Belle SH, Afdahl NH, Navarro VJ, Berman J, Liu QY, Doo E, Fried MW, SyNCH Trial Group: Silymarin ascending mutiple oral dosing phase I study in noncirrhotic patients with chronic hepatits C. J Clin Pharmacol. 2010 Apr; 50(4):434-49. doi: 10.1177/0091270009347475
  4. Loquercio C, Festi D: Silybin and the liver: from basic research to clinical pratice. World J Gastroenterol. 2011 May 14; 17(18):2288-301. doi: 10.3748/wjg.v17.i18.2288
  5. Abenavoli L, Capasso R, Milic N, Capasso F: Milk Thistle in Liver Diseases: Past, Present, Future. Phytother Res. 2010 Oct;24(10):1423-32. doi: 10.1002/ptr.3207
  6. European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus – Draft. 2015.
  7. European Medicines Agency (EMA): Assessement report on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus – Draft. 2015.

 

 

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