Totales Fasten (Null-Diät)

Die Motive für das Fasten können unterschiedlicher Natur sein. In früheren Zeiten wurde überwiegend aus religiösen Gründen gefastet. Heutzutage steht dagegen oft die „Entgiftung des Körpers“ oder eine Gewichtsabnahme als Motivation im Vordergrund. Dabei wird insbesondere „die Entgiftung des Körpers“ häufig von Personen propagiert, die Fastenkuren als Mittel zur Heilung vieler Zivilisationskrankheiten ansehen. Ein weiterer Beweggrund für Fastenkuren ist die angebliche Steigerung der Willenskraft und die Schärfung der Aufmerksamkeit für die wesentlichen Dinge im Leben.

Grundsätze und Ziele

Beim totalen Fasten (auch Null-Diät genannt) wird über einen längeren Zeitraum keine feste Nahrung zu sich genommen. Lediglich Wasser und kalorienarme Getränke wie Kräutertees stehen auf dem täglichen Speiseplan. Bei diesem totalen Fasten verliert der Körper schnell an Gewicht, da er auf das Muskel- und Fettgewebe zurückgreift, um seinen Energiebedarf zu decken.

Wirkungsprinzip

Fasten stellt für den Körper eine Umstellung auf eine Hungersituation dar. Im Hungerstoffwechsel wird der Energiebedarf des Körpers in erster Linie aus dem Fettabbau, aber auch durch den Abbau von Proteinen gedeckt. Folglich ist ein Nebeneffekt des Fastens eine Abnahme des Depotfetts sowie der Muskelmasse. Nach einigen Fastentagen erfolgt die Energieversorgung des Gehirns fast vollständig über die aus dem Depotfett gebildeten Ketonkörper. Dadurch nimmt der relative Proteinabbau nach längeren Fasten wieder ab.

Durchführung

Eine Fastenkur wird üblicherweise lediglich über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführt, wobei gesunde Erwachsene bis zu drei Wochen lang fasten können. Anfängern wird empfohlen, nicht länger als eine Woche zu fasten. Eine korrekt durchgeführte Fastenkur besteht aus den Entlastungstagen, dem eigentlichen Fasten, dem Fastenbrechen und den Aufbautagen.

Entlastungstage

Eine Fastenkur beginnt in der Regel mit ein bis drei Entlastungstagen, in denen der Körper durch allmähliche Reduktion der Kalorienzufuhr an die Fastentage herangeführt wird. Die Entlastungstage sind neben der körperlichen auch für die gedankliche Einstimmung auf die kommende Fastenzeit von Bedeutung.
Während der Entlastungstage sollten vor allem leicht verdauliche Lebensmittel wie Reis, Obst und Gemüse verzehrt werden. Auf Fleisch, Hülsenfrüchte oder Süßigkeiten sollte dagegen verzichtet werden. Des Weiteren sollten während der Entlastungstage auch Genussmittel wie z. B. Kaffee, Alkohol und Tabak gemieden werden.
Wird eine Fastenkur nicht mit den Entlastungstagen begonnen, kann dies starke Hungergefühle, Abgeschlagenheit, erhöhte Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen zur Folge haben.

Fasten

Totales Fasten bedeutet, dass vollständig auf den Verzehr von fester Nahrung verzichtet wird. Getrunken wird nur Wasser oder ungesüßter Tee, so dass das totale Fasten einer Nulldiät entspricht. Während des Fastens ist es wichtig ausreichend zu trinken – mindestens 2 bis 3 Liter am Tag. Außerdem wird oft begleitend zum Fasten der Darm mit Einläufen und Bittersalzen gereinigt. Neben dem Nahrungsverzicht wird häufig zu moderater Bewegung geraten. Zum Fasten gehört auch der Verzicht auf Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Tabak.

Fastenbrechen

Nach dem Fasten folgt das sogenannte Fastenbrechen, wobei es den Tag bezeichnet, an dem zum ersten Mal wieder feste Nahrung aufgenommen wird.

Aufbautage

Dem Fastenbrechen folgen drei bis vier Aufbautage, in denen der Körper wieder an die Aufnahme fester Nahrung gewöhnt wird. Dies ist notwendig, da während der Fastentage die Verdauung stark bis vollständig eingeschränkt ist und der Körper auf den Hungerstoffwechsel umstellt. Daher muss die Verdauung erst langsam wieder angeregt werden, um die Verdauungsorgane nicht zu überlasten.
Während der Aufbautage sollten Lebensmittel mit geringer Energiedichte wie z. B. Reis, Obst und Gemüse bevorzugt werden. Schwerer verdauliche Lebensmittel wie z. B. Fleisch, Hülsenfrüchte, Mehlspeisen und Frittiertes sollten dagegen gemieden werden.
Werden die Aufbautage nicht eingehalten, kann das Magenkrämpfe, Koliken oder sogar einen Kreislaufkollaps zur Folge haben.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Vorteile

Totales Fasten ermöglicht aufgrund der fehlenden Energieaufnahme einen schnellen Verlust an Körpergewicht. Zudem ist das totale Fasten einfach umzusetzen.

Nachteile

Durch den kompletten Nahrungsentzug wird der Organismus in Hinsicht auf den Proteinbedarf unterversorgt. Das körpereigene Protein (Eiweiß) wird während der Fastenzeit aus der Muskulatur fortlaufend abgebaut. Der tägliche endogene (körpereigene) Proteinabbau liegt ungefähr bei 15 bis 25 Gramm. Protein versorgt den Körper außerdem mit Stickstoff. Durch den kontinuierlichen Verlust von endogenem (körpereigenem) Protein wird der anfallende Stickstoff ausgeschieden, womit mehr Stickstoff verloren geht als aufgenommen wird. Die fehlende Proteinzufuhr und der daraus resultierende stetige Proteinabbau hat damit eine „negative Stickstoffbilanz“ zur Folge.
In der Anfangsphase der Fastenkur kommt es aufgrund der Entleerung des Verdauungstraktes und der erhöhten Protein-, Kohlenhydrat-, Wasser- und Elektrolytverluste, wodurch etliche Mineralstoffe wie Natrium, Magnesium, Chlorid und andere verloren gehen, zur ausgeprägten Gewichtsreduzierung.

In der Zeit des totalen Fastens zehrt der Körper auch von den Fettreserven, um den Energiebedarf zu decken. Bei dem Abbau der Fette entstehen als Zwischenprodukte Ketonkörper, deren Konzentration sich im Blut als Folge des vermehrten Fettabbaus stark erhöht. Schließlich führt dieses zu einer Hemmung der Harnsäureausscheidung, wodurch die Harnsäurekonzentration im Blut und im Harn ansteigt (Gefahr eines Gichtanfalls). Der Säure-Basen-Haushalt wird gestört und damit auch wichtige Stoffwechselvorgänge unseres Körpers. Da es die Aufgabe der Niere ist, überschüssige Säure auszuscheiden, wird sie stark beansprucht. Die Nieren sind dadurch Funktionseinschränkungen sowie schweren Schädigungen unterworfen. Eine Übersäuerung des Organismus ist die Folge, wobei es zu einer metabolischen Azidose kommen kann. Der pH-Wert des Blutes sinkt bei einer metabolischen Azidose aufgrund der stoffwechselbedingten Störung. Des Weiteren strömt verstärkt Kalium aus dem Zellinneren in den Blutkreislauf aus, wodurch die Kaliumkonzentration im Blut erheblich zunimmt und es zu einer Hyperkaliämie kommt. Unter diesen Bedingungen können sich Ohrensausen, Taubheit, Verwirrtheit, Muskelschwäche sowie Herzrhythmusstörungen einstellen.

Hält der Zustand der Übersäuerung über einen längeren Zeitraum an, dienen das Skelettsystem sowie das Binde- und Stützgewebe als zusätzliche Puffersysteme für den gestörten Stoffwechselzustand. Das Skelett und das Gewebe haben somit die Funktion, Stoffe zu binden und Stoffe zu mobilisieren. Da sich 99 % des im Körper enthaltenden Calciums in den Knochen befinden, wird vermehrt Calcium und zum Teil auch Magnesium aus dem Knochengewebe transportiert und über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.
Wird eine solche Fastenkur über mehrere Wochen vollzogen, erhöht sich nicht nur das Gesundheitsrisiko aufgrund des kontinuierlichen Proteinabbaus und des Säureüberschusses, sondern schließlich auch der Verlust und damit der Bedarf an essentiellen Mineralstoffen wie Calcium, Natrium und Magnesium.

Während des totalen Fastens wird keine ausgewogene Ernährungsweise erlernt, so dass nach Beendigung des Fastens und Rückkehr zu den alten Essgewohnheiten mit einer raschen Gewichtszunahme zu rechnen ist (Jojo-Effekt)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Diabetes mellitus Typ I
  • Kachexie (krankhafte Abmagerung)
  • dekompensierte Hyperthyreose (entgleiste Schilddrüsenüberfunktion)
  • fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz (Leber- und Nierenunterfunktion bzw. -schwäche)
  • hämolytische Anämie (Blutarmut, die durch einen gesteigerten Abbau der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) bedingt ist)
  • maligne (bösartigen) Tumoren
  • manifeste Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • psychische Störungen
  • zerebro-vaskuläre Insuffizienz (Störungen der Blutversorgung des Gehirns) bzw. Demenz
  • starke beruflicher Belastung
  • Kindern und Jugendliche
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Fazit

Beim totalen Fasten handelt es sich um eine Fastenart, bei der bewusst vollständig auf Nahrung verzichtet wird. Die heilende und präventive Wirkung des Fastens konnte bisher allerdings nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Das totale Fasten geht mit einer extremen Stoffwechselumstellung einher und ist daher mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden als andere Formen des Fastens. Für eine langfristige Gewichtsreduktion ist Fasten nicht geeignet. Es kann höchstens als radikaler, symbolischer Bruch mit den bisherigen Essgewohnheiten angesehen werden. Außerdem sollte Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Literatur

  1. Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U, Triebel T, Hahn A, Laube H (2009).
    Ernährung in Prävention und Therapie – Ein Lehrbuch, 3. Vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage.
    Hippokrates Verlag, Stuttgart.
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