Saftfasten/Heilfasten nach Buchinger

Der Mediziner Otto Buchinger (1878-1966) unterzog sich 1919 einer dreiwöchigen Fastenkur, wodurch er angeblich sein schweres Gelenkrheuma heilte. Daraufhin gründete er 1920 eine Kurklinik, die das Fasten nach Buchinger anbot.

Grundsätze und Ziele

Otto Buchinger ging grundsätzlich davon aus, dass durch das Fasten die Selbstheilungskräfte und die Entschlackung des Körpers gefördert werden. Daher ist laut Buchinger das Fasten ein natürliches Heilverfahren, das u. a. zur Prävention und Therapie verschiedener Krankheiten, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nervenleiden, Rheuma, Hypertonie (Bluthochdruck) und Diabetes mellitus Typ II, dienen kann. Das Heilfasten nach Buchinger wird üblicherweise in dafür ausgelegten Kurkliniken durchgeführt, wobei der Aufenthalt in der Kurklinik 2 bis 4 Wochen umfasst.

Durchführung

Beim Heilfasten nach Buchinger wird der Körper zunächst mit zwei Entlastungstagen auf das Fasten vorbereitet. Während dieser ersten zwei Tage wird nur leichte Kost, wie Reis, Kartoffeln, Obst und Gemüse, verzehrt.
Das eigentliche Fasten beginnt mit einer vollständigen Darmentleerung unter Hilfenahme von Glaubersalz und/oder Einläufen. Während des Fastens wird auf feste Nahrung verzichtet. Stattdessen werden täglich ungefähr 3 l Flüssigkeit in Form von Gemüsebrühe, Gemüsesäften, Tees und Mineralwasser aufgenommen.

  • Morgens – Kräutertee
  • Mittags – Gemüsesäfte oder Gemüsebrühe
  • Nachmittags – Kräutertee und Mineralwasser
  • Abends – Obstsäfte oder Gemüsebrühe

Während der Fastentage werden sportliche Betätigung und Meditationstechniken wie Yoga empfohlen. Außerdem ist zur Gewährleistung der inneren Ruhe Hektik und Stress zu vermeiden. Auf Alkohol und sonstige Genussmittel sollte verzichtet werden. Die tägliche Energieaufnahme während des Fastens nach Buchinger beträgt zwischen 150 und 300 kcal.
Mit dem sogenannten Fastenbrechen wird das Fasten beendet. Dazu wird ein Apfel oder Rohkost gegessen. Danach folgen die Aufbautage, in denen wieder feste Nahrung zugeführt und zu einer vollwertigen Ernährung umgestellt wird.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Vorteile

Das Heilfasten nach Buchinger ermöglicht aufgrund der geringen täglichen Energieaufnahme einen schnellen Verlust an Körpergewicht. Zudem ist das Heilfasten nach Buchinger einfach umzusetzen.

Nachteile

Fasten kann Nebenwirkungen haben, wie z. B. Hypotonie (niedriger Blutdruck), Magen-Darm-Beschwerden, metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung), Müdigkeit, Schwindelgefühl, verminderte Konzentrationsfähigkeit, erhöhtes Kälteempfinden, trockene Haut, Haarausfall, Menstruationsstörungen oder Mundgeruch. Bei Menschen mit Vorerkrankungen könnten sogar ernste Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten.

Der Bedarf an essentiellen Nähr- und Mikronährstoffen wird während des Fastens nicht gedeckt. Aufgrund der sehr geringen Energiezufuhr greift der Körper während des Fastens neben den Fettreserven auch das Muskelprotein an, wodurch Muskelmasse verloren geht. Des Weiteren fallen durch den Fettabbau größere Mengen an Ketonkörpern an, die die Ausscheidung von Harnsäure hemmen. Dadurch steigt die Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) an, was Harnsteine oder Gichtanfälle zur Folge haben kann. Während des Fastens nach Buchinger wird keine ausgewogene Ernährungsweise erlernt, so dass nach Beendigung des Fastens und Rückkehr zu den alten Essgewohnheiten mit einer raschen Gewichtszunahme zu rechnen ist (Jojo-Effekt).

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Kontraindikationen für das Fasten und somit auch für das Heilfasten nach Buchinger bestehen bei:

  • Kindern und Jugendlichen
  • Schwangeren und Stillenden
  • starker beruflicher Belastung
  • verschiedenen Erkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus Typ I, malignen Tumoren, manifester Herzinsuffizienz (Herzschwäche), hämolytischer Anämie (Blutarmut, die durch einen gesteigerten Abbau von roten Blutkörperchen bedingt ist) und Leber- und Nierenerkrankungen
  • psychischen Störungen

Fazit

Beim Buchinger Heilfasten handelt es sich um eine Fastenart, die vor allem durch bewussten Nahrungsverzicht die Gesundheit fördern soll. Die heilende und präventive Wirkung des Fastens konnte bisher allerdings nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Für eine langfristige Gewichtsreduktion ist Fasten nicht geeignet. Es kann höchstens als radikaler, symbolischer Bruch mit den bisherigen Essgewohnheiten angesehen werden. Außerdem sollte Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Literatur

  1. Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U, Triebel T, Hahn A, Laube H (2009). Ernährung in Prävention und Therapie – Ein Lehrbuch, 3. Vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart.
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