Modifiziertes Fasten

Die Motive für das Fasten können unterschiedlicher Natur sein. In früheren Zeiten wurde überwiegend aus religiösen Gründen gefastet. Heutzutage steht dagegen im Regelfall eine Gewichtsabnahme als Motivation im Vordergrund. Ein weiterer Beweggrund für Fastenkuren im Allgemeinen ist die angebliche Steigerung der Willenskraft und die Schärfung der Aufmerksamkeit für die wesentlichen Dinge im Leben.

Grundsätze und Ziele

Das modifizierte Fasten ist eine moderatere Alternative des Fastens, bei der dem Körper eine geringe Grundmenge an Proteinen (Eiweiß) sowie Makro- und Mikronährstoffe (Vitalstoffe) zugeführt wird. Durch Verabreichung von biologisch hochwertigen proteinhaltigen Präparaten (z. B. EUCELL GRANA, EUCELL BodyFit) kann die negative Stickstoffbilanz verhindert werden. Das Ziel des modifizierten Fastens ist eine für das Wohlbefinden ausreichende Mindestversorgung mit Proteinen, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen zu gewährleisten. Dadurch können die typischen Beschwerden des totalen Fastens, wie beispielsweise Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit, vermieden werden.

Wirkungsprinzip

Fasten stellt für den Körper eine Umstellung auf eine Hungersituation dar. Im Hungerstoffwechsel wird der Energiebedarf des Körpers in erster Linie aus dem Fettabbau, aber auch durch den Abbau von Proteinen gedeckt. Folglich ist ein Nebeneffekt des Fastens eine Abnahme des Depotfetts sowie der Muskelmasse. Nach einigen Fastentagen erfolgt die Energieversorgung des Gehirns fast vollständig über die aus dem Depotfett gebildeten Ketonkörper. Dadurch nimmt der relative Proteinabbau nach längeren Fasten wieder ab. Durch die Zufuhr von Protein während des modifizierten Fastens kann der Verlust an Muskelmasse vermindert werden.

Durchführung

Eine Fastenkur wird üblicherweise lediglich über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführt, wobei gesunde Erwachsene bis zu drei Wochen lang fasten können. Anfängern wird empfohlen, nicht länger als eine Woche zu fasten. Eine korrekt durchgeführte Fastenkur besteht aus den Entlastungstagen, dem eigentlichen Fasten, dem Fastenbrechen und den Aufbautagen.

Entlastungstage

Eine Fastenkur beginnt in der Regel mit ein bis drei Entlastungstagen, in denen der Körper durch allmähliche Reduktion der Kalorienzufuhr an die Fastentage herangeführt wird. Die Entlastungstage sind neben der körperlichen auch für die gedankliche Einstimmung auf die kommende Fastenzeit von Bedeutung.
Während der Entlastungstage sollten vor allem leicht verdauliche Lebensmittel wie Reis, Obst und Gemüse verzehrt werden. Auf Fleisch, Hülsenfrüchte oder Süßigkeiten sollte dagegen verzichtet werden. Des Weiteren sollten während der Entlastungstage auch Genussmittel wie z. B. Kaffee, Alkohol und Tabak, gemieden werden.
Wird eine Fastenkur nicht mit den Entlastungstagen begonnen, kann dies starke Hungergefühle, Abgeschlagenheit, erhöhte Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen zur Folge haben.

Fasten

Beim modifizierten Fasten wird auf den Verzehr von fester Nahrung verzichtet. Getrunken wird neben Wasser und ungesüßtem Tee auch Tee mit Honig sowie Frucht- und Gemüsesäfte mit einer Gesamtenergie von 200 bis 300 kcal am Tag. Außerdem werden Proteinpräparate und Mikronährstoffpräparate zugeführt (z. B. EUCELL GRANA, EUCELL BodyFit). Während des Fastens ist es wichtig ausreichend zu trinken – mindestens 2 bis 3 Liter am Tag. Außerdem wird oft begleitend zum Fasten der Darm mit Einläufen und Bittersalzen gereinigt. Neben dem Nahrungsverzicht wird häufig zu moderater Bewegung geraten. Zum Fasten gehört auch der Verzicht auf Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Tabak.

Fastenbrechen

Nach dem Fasten folgt das sogenannte Fastenbrechen, wobei es den Tag bezeichnet, an dem zum ersten Mal wieder feste Nahrung aufgenommen wird.

Aufbautage

Dem Fastenbrechen folgen drei bis vier Aufbautage, in denen der Körper wieder an die Aufnahme fester Nahrung gewöhnt wird. Dies ist notwendig, da während der Fastentage die Verdauung stark bis vollständig eingeschränkt ist und der Körper auf den Hungerstoffwechsel umstellt. Daher muss die Verdauung erst langsam wieder angeregt werden, um die Verdauungsorgane nicht zu überlasten.
Während der Aufbautage sollten Lebensmittel mit geringer Energiedichte wie z. B. Reis, Obst und Gemüse bevorzugt werden. Schwerer verdauliche Lebensmittel wie z. B. Fleisch, Hülsenfrüchte, Mehlspeisen und Frittiertes sollten dagegen gemieden werden.
Werden die Aufbautage nicht eingehalten, kann das Magenkrämpfe, Koliken oder sogar einen Kreislaufkollaps zur Folge haben.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Vorteile

Modifiziertes Fasten ermöglicht aufgrund der geringen Energieaufnahme einen schnellen Verlust an Körpergewicht. Zudem ist das modifizierte Fasten einfach umzusetzen. Darüber hinaus ist beim modifizierten Fasten die gravierende Nebenwirkung des Fastens, der Proteinabbau, vermindert.

Nachteile

Modifiziertes Fasten kann Nebenwirkungen haben wie z. B. Hypotonie, Magen-Darm-Beschwerden, Azidose, Müdigkeit, Schwindelgefühl, verminderte Konzentrationsfähigkeit, erhöhtes Kälteempfinden, trockene Haut, Haarausfall, Menstruationsstörungen oder Mundgeruch. Bei Menschen mit Vorerkrankungen könnten sogar ernste Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten.
Der Bedarf an essentiellen Nähr- und Mikronährstoffen wird während des Fastens nicht ausreichend gedeckt. Aufgrund der geringen Energiezufuhr greift der Körper während des Fastens neben den Fettreserven auch das Muskelprotein an, wodurch Muskelmasse verloren geht.
Des Weiteren fallen durch den Fettabbau größere Mengen an Ketonkörpern an, die die Ausscheidung von Harnsäure hemmen. Dadurch steigt die Harnsäurekonzentration im Blut an, was Harnsteine oder Gichtanfälle zur Folge haben kann.
Während des modifizierten Fastens wird keine ausgewogene Ernährungsweise erlernt, so dass nach Beendigung des Fastens und Rückkehr zu den alten Essgewohnheiten mit einer raschen Gewichtszunahme zu rechnen ist (Jojo-Effekt).

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Kontraindikationen für das modifiziertes Fasten bestehen bei:

  • Kindern und Jugendlichen
  • Schwangeren und Stillenden
  • starker beruflicher Belastung
  • verschiedenen Erkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus Typ I, malignen (bösartigen) Tumoren, manifester Herzinsuffizienz (Herzschwäche), hämolytischer Anämie (Blutarmut, die durch einen gesteigerten Abbau der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) bedingt ist) und Leber- und Nierenerkrankungen
  • psychischen Störungen

Fazit

Beim modifizierten Fasten handelt es sich um eine Fastenart, bei der bewusst auf Nahrung verzichtet wird. Die heilende und präventive Wirkung des Fastens konnte bisher allerdings nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Das modifizierte Fasten geht im Vergleich zum totalen Fasten mit einer weniger extremen Stoffwechselumstellung einher, so dass das modifizierte Fasten mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist. Für eine langfristige Gewichtsreduktion ist das modifizierte Fasten nicht geeignet. Es kann höchstens als radikaler, symbolischer Bruch mit den bisherigen Essgewohnheiten angesehen werden. Außerdem sollte Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Literatur

  1. Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U, Triebel T, Hahn A, Laube H (2009).
    Ernährung in Prävention und Therapie – Ein Lehrbuch, 3. Vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage.
    Hippokrates Verlag, Stuttgart.
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