Montignac-Methode

Der Franzose Michel Montignac (1944-2010), der seit seiner Kindheit an Übergewicht litt, entwickelte die gleichnamige Montignac-Methode. Das Konzept enthält Elemente der Glyx-Diät, aber auch der Trennkost und der Low-Carb-Diät.

Grundsätze und Ziele

Wesentliche Ziele der Montignac-Methode sind neben der Gewichtsreduzierung und anschließenden Erhaltung des Wunschgewichtes die Förderung der Gesundheit. Montignac ist der Ansicht, dass für die Entstehung von Übergewicht der übermäßige Verzehr von Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index (GI) und die daraufhin folgende hohe Insulinsekretion (Ausscheidung des Hormons Insulin durch die Bauchspeicheldrüse) entscheidend ist. Die durch hohe Insulinsekretion bewirkte Hypoglykämie (Unterzuckerung) sei für die Fetteinlagerung hauptverantwortlich. Ein konstant niedriger Insulinspiegel bewirkt dagegen die vollständige Metabolisierung (Verstoffwechselung) der aufgenommenen Nährstoffe.

Für sein Konzept bewertete Montignac die Lebensmittel hinsichtlich ihres GI und unterteilte die Kohlenhydrate in "sehr gute", "gute" und "schlechte":

  • „sehr gute Kohlenhydrate“ – GI bis 35
  • „gute Kohlenhydrate“ – GI von 35 bis 50
  • „schlechte Kohlenhydrate“ – GI von 50 bis 100

Werden überwiegend oder ausschließlich „sehr gute Kohlenhydrate“ verzehrt, steigt der Blutglucosespiegel (Blutzuckerspiegel) nur geringfügig an, so dass nur wenig Insulin produziert und somit nur geringe Mengen des Nahrungsfettes als Speicherfett eingelagert wird. Daher können die „sehr guten Kohlenhydrate“ mit einer beliebigen Menge an Protein (Eiweiß) und Fett kombiniert werden. Die „guten Kohlenhydrate“ sollten nicht mit Fett kombiniert werden, da sie den Blutglucose- und Insulinspiegel erhöhen. Ausnahme sind geringe Mengen an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie in pflanzlichen Ölen oder Fisch.
Die „schlechten Kohlenhydrate“ verursachen eine starke Insulinproduktion, so dass Fett nicht abgebaut, sondern als neues Speicherfett angelagert wird. Auf die „schlechten Kohlenhydrate“ sollte vollständig verzichtet werden.
Proteinhaltige Lebensmittel wie z. B. Fisch, Fleisch oder magere Milchprodukte sind erlaubt. Bei Sahne, Käse oder Wurst fordert Montignac jedoch Zurückhaltung, da diese sich negativ auf den Cholesterinspiegel auswirken können.

Montignac unterteilt seine Diät in zwei Phasen, wobei in der ersten Phase das Gewicht reduziert und in der zweiten Phase das Gewicht stabilisiert werden soll. In der ersten Phase dürfen nur Lebensmittel mit einem GI kleiner 35 verzehrt werden. Zudem wird während der Reduktionsphase eine Energiezufuhr von 1.400 kcal am Tag empfohlen. In der zweiten Phase erfolgt die Auswahl der Lebensmittel ebenfalls nach dem GI. Dieser darf aber höher als in der ersten Phase sein.

Durchführung

Nachfolgend eine kurze Darstellung geeigneter und nicht geeigneter Lebensmittel sowie von Besonderheiten bei den einzelnen Mahlzeiten.

Lebensmittelauswahl

Erlaubt sind fast alle Obst- und Gemüsesorten, Vollkorngetreide, Fleisch, Fisch, Eier, ungesüßte Milchprodukte, Käse, Hülsenfrüchte und Nüsse. In Maßen dürfen Wein, Schokolade mit hohem Kakaoanteil und Fruchtaufstriche ohne Zuckerzusatz verzehrt werden. Vermieden werden sollten Mais, Kartoffeln, polierter Reis, Weißmehlprodukte, Zucker, Bananen, Melonen und Bier.

Zu den „sehr guten Kohlenhydraten“ zählen Lebensmittel wie rohe Karotten, Tomaten, Zucchini, Zwiebeln, Äpfel, Birnen, Aprikosen, grüne Linsen, Milchprodukte und dunkle Schokolade.
Unter den „guten Kohlenhydraten“ fasst Montignac Lebensmittel wie Vollkornprodukte, ungezuckerte Fruchtsäfte, Natur- und Basmatireis, Süßkartoffeln, frische Erbsen, rote Bohnen und bissfest gekochte Spaghetti zusammen.
Zu den „schlechten Kohlenhydraten“ gehören Lebensmittel wie Kartoffeln, modifizierte Stärke, weißer Reis, Chips, Weißbrot, Cornflakes, Popcorn, Milchreis, Zucker, gezuckerte Getreideflocken, zuckerhaltige Getränke, Schokoriegel, Gebäck, Marmelade und Bananen.

Besonderheiten

Das Frühstück sollte reichhaltig, das Mittagessen normal und das Abendessen eher leicht sein. Außerdem dürfen die „guten Kohlenhydrate“ nicht mit Fett, mit Ausnahme von ungesättigten Fettsäuren in geringem Maße, kombiniert werden.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Vorteile

Positiv zu bewerten ist der hohe Anteil ballaststoffreicher Lebensmittel, die u. a. eine gute sättigende Wirkung haben und gastrointestinalen Probleme (Magen-Darm-Probleme) vorbeugen. Außerdem soll der Verzehr gesättigter Fette eingeschränkt und der von Zucker und Weißmehlprodukten vermieden werden. Die verminderte Kalorienzufuhr während der Reduktionsphase ermöglicht einen Gewichtsverlust in einem vernünftigen Rahmen.

Nachteile

Die Nährstoffzusammensetzung ist relativ fett- und proteinlastig, so dass das Verhältnis von Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) nicht entspricht. Darüber hinaus kann der Verzicht auf Kohlenhydrate Heißhungerattacken auf Süßes begünstigen, wodurch der langfristige Diäterfolg gefährdet wird. Die Montignac-Methode ist kompliziert und zeitaufwändig. Körperliche Aktivität ist in dem Konzept nur von untergeordneter Bedeutung.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Für Menschen mit Niereninsuffizienz (Nierenschwäche; eingeschränkte Nierenfunktion) ist die proteinreiche Ernährung nach der Montignac-Methode nicht geeignet.

Fazit

Die Montignac-Methode ist laut der DGE, die eine kohlenhydratfokussierte Ernährung vertritt, nicht als Dauerkost geeignet. Die bisherigen Studienergebnisse zum Einfluss des GI auf die Körpergewichtsentwicklung sind inkonsistent. Eine eindeutige und nachhaltige Überlegenheit der Verringerung der glykämischen Last gegenüber anderen diätetischen Interventionen konnte noch nicht nachgewiesen werden. Folglich sollte der GI bei einer ausgewogenen Ernährung nicht im Zentrum stehen. Zudem ist bei Befolgung der Vorgaben von Montignac die Gewichtsreduktion wohl eher auf die reduzierte Kalorienmenge als auf den niedrigen GI der Lebensmittel zurückzuführen.

Literatur

  1. DGE (2004). Glykämischer Index und glykämische Last – ein für die Ernährungspraxis des Gesunden relevantes Konzept? Ernährungs-Umschau 53 (3): 84-91.
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