Schnitzer-Normalkost

Grundsätze und Ziele

Der Zahnarzt Johann Georg Schnitzer entwickelte ab 1963 ein Ernährungskonzept, das neben der Heilung von Krankheiten auch die Reduzierung von Gewicht verspricht.

Grundsätze und Ziele

Propagierte Ziele der Schnitzer-Normalkost sind gesteigerte Leistungsfähigkeit, Vitalität, Schönheit, Lebensfreude, innere Ausgeglichenheit sowie Glücklich sein als Ausdruck von „wirklicher“ Gesundheit. Dies soll erreicht werden über eine Normalisierung des Körpergewichts, der Heilung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Bewegungsapparats und der Zähne, eine Regeneration des Verdauungssystems sowie eine Stärkung des Immunsystems.
Laut Schnitzer haben die heute überwiegend verzehrten stark verarbeiteten Lebensmittel eine Entgleisung des Stoffwechsels zur Folge. Daraufhin entstehen während der Verdauung veränderte und unvollständig abgebaute Stoffe, die zusammen mit Eiweißüberschüssen aus tierischen Lebensmitteln im Körper in Form von z. B. Nierensteinen, Gallenblasensteinen, Zysten, Adipositas (Übergewicht) und Arteriosklerose (Arterienverkalkung) abgelagert werden oder durch Entzündungsreaktionen ausgeschieden werden.
Zweck der Ernährung ist es also, dem Körper die vollwertigste und an schädlichen Stoffen ärmste Nahrung zur Verfügung zu stellen, damit der Körper sich selbst gesunderhalten kann. Schnitzer ist der Auffassung, dass der Mensch nicht Omnivore (Allesfresser), sondern aufgrund seines Gebisses ein Frugivore (Fruchtfresser) ist. Unter Früchten versteht er Samen, Nüsse, Wurzelknollen und Blattschösslinge. Eine reine Rohkosternährung hält er für optimal. Milch und Milchprodukte sollten maximal als Roh- oder Vorzugsmilch und daraus hergestellten Sauermilchprodukten verzehrt werden. Obst hat nach Schnitzer nur die Funktion eines natürlichen Genussmittels, so dass es keinen zu großen Anteil in der Ernährung einnehmen sollte. Es wird eine Energiezufuhr von etwa 2.200 kcal pro Tag empfohlen.

Durchführung

Lebensmittelauswahl

Die vegetabile Rohkost, auf der die Schnitzer-Normalkost basiert, besteht hauptsächlich aus frisch gemahlenen und kalt eingeweichten Getreideschrote, angekeimten Leguminosen (Hülsenfrüchtler), Nüssen, Samen, Wurzelgemüse und grünen Salaten. Dies kann mit Vollkornbrot und -gebäck ergänzt werden. Gekochte Kartoffeln, Milch und Milchprodukte, Eier und Obst sind nur in geringen Mengen erlaubt. Gemieden werden sollte raffinierter Zucker, Auszugsmehle und daraus hergestellte Produkte, erhitztes Gemüse und Obst, Säfte, Fleisch, Fleischprodukte, Fisch, raffinierte und gehärtete Fette und Öle, Kaffee, Alkohol und Nikotin.

Besonderheiten

Die Lebensmittel sollten aus ökologischem Anbau stammen und möglichst wenig verarbeitet sein. Des Weiteren ist auf eine ausgewogen Proteinkombination mit hoher biologischer Wertigkeit in jeder Mahlzeit zu achten.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Vorteile

Es gelten die Vorteile einer rohkostbetonten, überwiegend vegetabilen Ernährung wie z. B. niedriger Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin.

Nachteile

Bei strenger Auslegung der Empfehlungen von Schnitzer kann es zu Unterversorgungen mit den Vitaminen D und B12 sowie mit Zink und Jod kommen. Auch die Versorgung mit Eisen und Calcium kann kritisch sein. Die empfohlene rohe Pflanzenkost ist schwerer verdaulich als gekochte.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Für die Ernährung von Kindern wird die Schnitzer-Kost in physischer und psychischer Hinsicht als besonders ungünstig erachtet. Aber auch Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf, wie schwangere oder stillende Frauen, sollten nur bei ausreichendem ernährungsphysiologischen Wissen und bewusster Lebensmittelauswahl die Schnitzer-Normalkost praktizieren.

Fazit

Bei der Schnitzer-Normalkost handelt es sich um eine ovo-lakto-vegetabile alternative Ernährungsform. Sie kann bei abwechslungsreicher und bewusster Lebensmittelauswahl sowie moderater Durchführung als Dauerkost praktiziert werden. Allerdings sind viele der propagierten Vorteile der von Schnitzer empfohlenen Ernährung nicht wissenschaftlich belegt oder sogar falsch.

Literatur

  1. Elmadfa I, Leitzmann C (2004)
    Ernährung des Menschen.
    4. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
  2. Kofrányi E, Wirths W (2008)
    Einführung in die Ernährungslehre.
    12. Auflage. Umschau Buchverlag, Neustadt an der Weinstraße
  3. Leitzmann C, Keller M, Hahn A (2005)
    Alternative Ernährungsformen.
    2. Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart
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