Evers-Diät

Der deutsche Arzt Josef Evers (1894-1975) entwickelte Ende der 1930 Jahre die nach ihm benannte Evers-Diät.

Grundsätze und Ziele

Evers sah die Hauptursache für ernährungsbedingte Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus, Gicht, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen in der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln. Seine Ernährungsvorschriften sollen neben einer präventiven Wirkung auch ernährungsbedingte Stoffwechselerkrankungen und insbesondere Multiple Sklerose (MS) heilen können. Evers (1969) beschrieb in seiner Publikation seine Diät folgendermaßen: Bei dieser Diät [...] handelt es sich in erster Linie nicht darum, was der Mensch isst, ob Fleisch oder nicht Fleisch, ob viel Fett oder wenig Fett, ob viel Eiweiß oder wenig Eiweiß, ob basenüberschüssig oder säureüberschüssig, usw.; der springende Punkt ist vielmehr der, dass jedes Nahrungsmittel so naturnahe wie möglich verzehrt wird. Daher kommt es auch, dass bei dieser Diät Früchte, Nüsse, Wurzeln, Milch, gekeimte Körner und Honig im Vordergrund stehen, eben weil diese ohne jede Bearbeitung, ohne irgendwelche Zusätze mit Genuss vom Menschen verzehrt werden können. Wenn der Patient sich bessert, gebe ich als nächstes rohen Schinken, Speck und rohes Gehacktes [...].
Die Evers-Diät gibt also vor, dass alle Lebensmittel möglichst frisch und unverarbeitet, also roh, verzehrt werden sollen. Der Ernährung von Schwangeren und Säuglingen maß Evers einen für das ganze weitere Leben des Kindes entscheidenden Stellenwert bei. Er betrachte die Muttermilch als optimale Nahrung für den Säugling. Sechs Monate sollte ausschließlich gestillt werden. Zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat sind als Beikost reife Früchte sowie Haferflocken mit roher Milch zulässig. Nach dem neunten Monat wird die Ernährung ergänzt durch Vollkornbrot und Honig.
Heutzutage ist die Evers-Diät eine rohkostbetonte Variante der lakto-vegetabilen Vollwerternährung, da sie weiterentwickelt und um neuere Erkenntnisse und Empfehlungen der Ernährungswissenschaft ergänzt wurde.

Wirkungsprinzip

Die Ernährung nach Evers enthält nur einen geringen Gehalt an Arachidonsäure, wodurch Entzündungsprozesse bei Autoimmunerkrankungen (z. B. Rheuma) eingeschränkt werden sollen. Ein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis hinsichtlich der Prävention und Therapie ernährungsbedingter Stoffwechselerkrankungen und insbesondere Multiple Sklerose liegt allerdings nicht vor.

Durchführung

Lebensmittelauswahl

Die wichtigsten Lebensmittel der Evers-Diät sind Vollgetreide, insbesondere in gekeimter Form, sowie frisches Gemüse, Salate und Obst. Ergänzend kommen Lebensmittel tierischer Ursprungs wie Milch und Milchprodukte, Eier und geringe Mengen Fisch und Fleisch hinzu. Stark verarbeitete Lebensmittel, Genussmittel und Lebensmittelzusatzstoffe sind zu meiden.

Besonderheiten

Die Lebensmittel sollten möglichst naturbelassen sein und aus ökologischer Landwirtschaft stammen.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Vorteile

Die Evers-Diät propagiert den Verzehr von überwiegend pflanzlicher Rohkost. Da Rohkost einen relativ geringen Kaloriengehalt hat, stellt diese Ernährungsform eine Möglichkeit für übergewichtige Personen dar, ihr Gewicht zu reduzieren und ihre Ernährung umzustellen. Darüber hinaus gelten die Vorteile einer rohkostbetonten, überwiegend vegetabilen Ernährung wie z. B. niedriger Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin sowie hoher Gehalt an Mikronährstoffen.

Nachteile

Einige der ursprünglichen Empfehlungen von Evers sind problematisch, da rohe Milch, rohe Eier oder rohes Fleisch Pathogene (krankheitsauslösende Schadstoffe) wie z. B. Salmonellen (Bakterien) enthalten können. Zudem kann durch eine Rohkost-Diät ein Mangel an Nährstoffen wie Eisen oder Calcium entstehen.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf (Mehrbedarf an Makro- und Mikronährstoffen/Vitalstoffen) wie schwangere oder stillende Frauen, Säuglinge und Kinder sollten nur bei ausreichenden ernährungsphysiologischen Kenntnissen und bewusster Lebensmittelauswahl die Evers-Diät praktizieren.

Fazit

In der heutigen erweiterten Form der Evers-Diät ist die Nährstoffzufuhr ausreichend. Somit ist die Evers-Diät als Dauerkost geeignet.

Literatur

  1. Elmadfa I, Leitzmann C (2004)
    Ernährung des Menschen.
    4. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.
  2. Leitzmann C, Keller M, Hahn A (2005)
    Alternative Ernährungsformen.
    2. Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart
  3. Evers J (1969)
    Die diätetische Therapie der Multiplen Sklerose. Kasuistik und Epikrise meiner ersten durch Diät geheilten Multiplen Sklerose Patienten nach einer Verlaufsbeobachtungszeit von 20 Jahren und Bericht über meine anderen 9.000 diäetetisch behandelten Multiple-Sklerose-Patienten.
    Med Welt31: 1700-1707
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